von Ulrike Hug, NZZ, Z-Magazin
So vieles in der Welt ist kaputt, separiert, zerbrösmelet vor sich hin. Der Luzerner Kurator Christoph Lichtin hat in der Stif tung Tichy Ocean in Zürich eine Ausstellung kuratiert, die sich auf das Gegenteil fokussiert: den Klebstoff. Sie trägt den Namen «Was die Welt zusammenhält». Neben der oben gezeigten Collage der Basler Künstlerin Sabine Hertig wird man hier ganz viel Zusammengesetztes und Geklebtes von Andreas Tschappu, Benedikt Bock, Friedrich Dürrenmatt, Maya Hottarek, Goshka Macuga, Rémy Markowitsch und Rolf Winnewisser zu sehen bekommen. Mal geht es beispielsweise um ersehnte Welten zwischen Disko und Auto (Tschappu), mal um menschliche Katastrophen (Dürrenmatt). Alle Werke haben gut sichtbare Schnitt- und Klebestellen, Nähte, Ausgefranseltes oder Improvisiertes; manchmal sieht man den Papieren oder Objekten den Vorgebrauch an. Hier in der Ausstellung kann man betrachten, wie die Bruchstücke der individuellen und globalen Weltdramen und Sehn-süchte aufgesammelt, gereinigt, sortiert, geordnet und dann wieder zusammengesetzt wurden. Jeder Kunstschaffende hat da seinen eigenen ange-rührten Leim aus Komponenten wie Sorgfalt, Respekt, Humor oder Verantwortung eingesetzt. Die Resultate mögen nicht immer ideal ausschauen oder allen gefallen, aber sie lassen wieder Konturen, Ideen, Wünsche oder Ordnungen erkennen. Das ist viel heutzutage! Und vor allem ein pragmatischer Perspektivwechsel. Ulrike Hug